Liquidity Mining und Yield Farming: Was steuerlich gilt und was offen ist

Welche DeFi-Vorgänge beim Liquidity Mining und Yield Farming steuerlich geregelt sind, welche Fragen offen sind und wie du deine Transaktionen nachvollziehbar dokumentierst.

Auf einen Blick

  • Teils geregelt, teils offen: Einzelne DeFi-Vorgänge wie Swaps, Lending und passives Staking sind im BMF-Schreiben geregelt. Liquidity Pools selbst sind es nicht.
  • Swaps auf dezentralen Börsen: Ein Tausch ist eine Veräußerung und eine Anschaffung. Innerhalb der Haltefrist kann er steuerpflichtig sein.
  • Offene Fragen: Ob die Einzahlung in einen Pool ein Tausch ist, wie Pool-Rewards einzuordnen sind und wie Impermanent Loss zu behandeln ist, regelt das BMF nicht ausdrücklich.
  • Yield Farming: Eine Strategie besteht meist aus mehreren Vorgängen. Jeder Schritt wird steuerlich einzeln betrachtet.
  • Dokumentation: Bei Geschäften über dezentrale Börsen gilt in der Regel eine erweiterte Mitwirkungspflicht. Halte Wallet-Adressen, Transaktions-Hashes und Euro-Werte vollständig fest.
  • Geltungsbereich und Grundlage: Dieser Guide gilt für private Anleger in Deutschland. Grundlage sind §§ 22 Nr. 3 und 23 EStG sowie das BMF-Schreiben vom 6. März 2025. Steuerstand: 2026
Florian Wimmer
Florian Wimmer
Blockpit CEO & Krypto-Steuer Experte
Geprüft von
Matthias Steger
•
06.10.2026
•
Lesezeit
X
Minuten

Liquidity Mining und Yield Farming gehören zu den steuerlich am wenigsten geklärten Bereichen bei Kryptowährungen. Einzelne Bausteine sind geregelt: Swaps auf dezentralen Börsen, Lending und passives Staking. Für Liquidity Pools selbst gibt es dagegen keine ausdrückliche Regelung im BMF-Schreiben.

In diesem Guide zeigen wir dir, was steuerlich feststeht, welche Fragen offen sind und was du trotzdem tun solltest, damit deine Steuererklärung nachvollziehbar bleibt. Die allgemeinen Regeln zur Besteuerung von Kryptowährungen findest du im Guide zur Krypto-Steuer in Deutschland.

Was ist Liquidity Mining, was ist Yield Farming?

Liquidity Mining bedeutet, dass du Kryptowerte in einen Liquiditätspool einer dezentralen Börse einzahlst, meist zwei Token zu gleichen Werten, zum Beispiel ETH und einen Stablecoin. Dafür erhältst du einen LP-Token, der deinen Anteil am Pool abbildet. Als Vergütung bekommst du einen Teil der Handelsgebühren und je nach Protokoll zusätzliche Token. Mit klassischem Mining, also der Blockerstellung per Rechenleistung, hat Liquidity Mining trotz des Namens nichts zu tun.

Yield Farming ist der breitere Begriff. Gemeint ist eine Strategie, bei der verschiedene DeFi-Vorgänge kombiniert werden, um die Rendite zu erhöhen, etwa Liquidity Mining, Lending, Kreditaufnahme und Swaps über mehrere Protokolle hinweg.

Ein Begriff, der dir dabei oft begegnet, ist Impermanent Loss. Er beschreibt, dass du beim Ausstieg aus einem Pool wegen geänderter Kurse ein anderes Verhältnis der beiden Token zurückbekommst, als du eingezahlt hast, und im Vergleich zum einfachen Halten weniger Wert besitzt.

Was ist steuerlich geregelt?

Viele Vorgänge, die beim Liquidity Mining und Yield Farming anfallen, sind im BMF-Schreiben vom 6. März 2025 geregelt. Für diese gelten dieselben Regeln wie außerhalb von DeFi:

<figure class="block-table"><table><tr><th>Vorgang</th><th>Steuerliche Einordnung</th><th>Grundlage</th></tr><tr><td><strong>Swap auf einer dezentralen Börse</strong></td><td>Veräußerung der abgegebenen und Anschaffung der erhaltenen Kryptowerte, die Haltefrist beginnt neu</td><td>BMF Rn. 54 und 55</td></tr><tr><td><strong>Lending</strong></td><td>Erträge aus der Überlassung von Kryptowerten sind sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG</td><td>BMF Rn. 26 und 65</td></tr><tr><td><strong>Passives Staking</strong></td><td>In der Regel sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG</td><td>BMF Rn. 48</td></tr></table></figure>

Die Details findest du in unseren Guides zu Krypto-Swaps, Krypto-Lending und Staking.

Was ist nicht ausdrücklich geregelt?

Für die Vorgänge, die Liquidity Mining im Kern ausmachen, enthält das BMF-Schreiben keine ausdrückliche Regelung:

<figure class="block-table"><table><tr><th>Frage</th><th>Worum es geht</th></tr><tr><td><strong>Einzahlung in den Pool</strong></td><td>Ob das Einzahlen von Token gegen einen LP-Token ein Tausch und damit eine Veräußerung ist</td></tr><tr><td><strong>Pool-Rewards</strong></td><td>Welcher Einkunftsart Handelsgebühren und zusätzliche Token aus dem Pool zuzuordnen sind</td></tr><tr><td><strong>Auszahlung aus dem Pool</strong></td><td>Ob die Rückgabe des LP-Token gegen die Token, oft in einem anderen Verhältnis, ein Tausch ist</td></tr><tr><td><strong>Impermanent Loss</strong></td><td>Ob und wann daraus ein steuerlich relevanter Verlust entsteht</td></tr></table></figure>

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</svg></div><div class="label"><span class="text_bold text-color-blue">Unterschiedliche Auffassungen</span></div></div><div class="label">In Fachbeiträgen und bei Anbietern von Steuersoftware findest du zu Liquidity Pools unterschiedliche Einordnungen, teils als feste Regel formuliert. Eine ausdrückliche Regelung im BMF-Schreiben gibt es dazu nicht. Wichtig ist, dass du dich für eine nachvollziehbare Behandlung entscheidest, sie einheitlich anwendest und sie dokumentierst.</div></div>

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Yield Farming: Jeder Schritt zählt einzeln

Eine Yield-Farming-Strategie besteht meist aus mehreren Vorgängen hintereinander. Steuerlich wird nicht die Strategie als Ganzes betrachtet, sondern jeder einzelne Schritt. Ein typischer Ablauf könnte so aussehen:

<figure class="block-table"><table><tr><th>Schritt</th><th>Vorgang</th><th>Steuerlicher Stand</th></tr><tr><td>1</td><td>Du verleihst ETH über ein Protokoll und erhältst Zinsen</td><td>Geregelt: Lending</td></tr><tr><td>2</td><td>Du nimmst gegen die ETH als Sicherheit Stablecoins als Kredit auf</td><td>Nicht ausdrücklich geregelt</td></tr><tr><td>3</td><td>Du tauschst einen Teil der Stablecoins in einen anderen Token</td><td>Geregelt: Swap</td></tr><tr><td>4</td><td>Du zahlst beide Token in einen Liquiditätspool ein</td><td>Nicht ausdrücklich geregelt</td></tr><tr><td>5</td><td>Du erhältst Pool-Rewards</td><td>Nicht ausdrücklich geregelt</td></tr></table></figure>

Je mehr Protokolle und Schritte eine Strategie umfasst, desto wichtiger ist eine lückenlose Dokumentation jedes einzelnen Vorgangs.

Was du trotzdem tun solltest

Auch wenn nicht alle Fragen geklärt sind, musst du deine Einkünfte vollständig und nachvollziehbar erklären. Bei Geschäften über dezentrale Börsen gilt nach Auffassung des BMF in der Regel eine erweiterte Mitwirkungspflicht: Du musst den Sachverhalt selbst aufklären und die nötigen Nachweise beschaffen, weil es keinen Anbieter gibt, der das für dich übernimmt. Das Finanzamt kann dabei unter anderem genutzte Wallet-Adressen und Transaktions-Hashes anfordern.

Drei Grundsätze helfen dir:

  • Vollständig erfassen: Jede Ein- und Auszahlung, jeden Swap und jeden Reward mit Zeitpunkt und Euro-Wert.
  • Einheitlich behandeln: Wende die gewählte Einordnung für gleichartige Vorgänge durchgehend an.
  • Bei größeren Beträgen prüfen lassen: Gerade bei umfangreichen DeFi-Aktivitäten kann eine individuelle steuerliche Prüfung sinnvoll sein.

<div class="card_body_small infobox green margin-bottom_medium margin-top_small"><div class="flex_horizontal gap-xxsmall margin-bottom_xxsmall"><div class="icon_small is-infobox w-embed"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="24" height="24" viewBox="0 0 24 24" fill="none">
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</svg></div><div class="label"><span class="text_bold text-color-blue">Was du pro Pool festhalten solltest</span></div></div><div class="label">Zeitpunkt und Mengen bei Ein- und Auszahlung, die erhaltenen und zurückgegebenen LP-Token, jeden Reward mit Zeitpunkt und Menge sowie die Euro-Werte mit Kursquelle. Dazu die genutzte Wallet-Adresse und die Transaktions-Hashes. So kannst du jede spätere Einordnung belegen.</div></div>

Liquidity Mining in der Steuererklärung

Krypto-Einkünfte gibst du in der Anlage SO an. Swaps innerhalb der Haltefrist gehören zu den privaten Veräußerungsgeschäften, für das Steuerjahr 2025 in den Abschnitt „Kryptowerte“. Erträge aus Lending oder passivem Staking gehören in den Bereich der Leistungen. Wo Vorgänge aus Liquidity Pools einzutragen sind, hängt von ihrer Einordnung ab.

Welche Felder du konkret ausfüllst, zeigen wir dir in der Anleitung Krypto richtig in die Steuererklärung eintragen.

So unterstützt dich Blockpit

DeFi-Aktivitäten erzeugen schnell Hunderte Transaktionen über verschiedene Wallets, Protokolle und Blockchains. Mit Blockpit importierst du deine Wallets, erfasst Swaps auf dezentralen Börsen mit Anschaffungskosten und Haltefrist und erstellst deinen Krypto-Steuerbericht.

Vorgänge aus Liquidity Pools kannst du in Blockpit abbilden. Wie das geht, zeigt der Artikel Liquidity Mining und Providing manuell abbilden im Hilfecenter. Die steuerliche Einordnung dieser Vorgänge triffst du dabei selbst.

<div class="card_body_small infobox highlight margin-bottom_medium margin-top_small"><div class="flex_horizontal gap-xxsmall margin-bottom_xxsmall"><div class="icon_small is-infobox w-embed"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="24" height="24" viewBox="0 0 24 24" fill="none">
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</svg></div><div class="label"><span class="text_bold text-color-blue">Selbst machen oder Unterstützung holen</span></div></div><div class="label">Du kannst deine DeFi-Transaktionen mit Blockpit selbst erfassen, prüfen und in deinen Steuerbericht übernehmen. Wenn du die Aufbereitung nicht allein übernehmen möchtest, unterstützt dich der Blockpit Expert Service bei Setup, Datenprüfung und Vorbereitung deines Krypto-Steuerberichts. Informationen, die nur du kennst, etwa zu deinen Pools und Strategien, bringst du dabei selbst ein.</div></div>

Häufige Fragen

Ist Liquidity Mining steuerpflichtig?

Einzelne Vorgänge können steuerlich relevant sein, etwa Swaps innerhalb der Haltefrist. Wie die Einzahlung in einen Pool, die Auszahlung und die Pool-Rewards selbst einzuordnen sind, regelt das BMF-Schreiben nicht ausdrücklich. Dokumentiere deshalb alle Vorgänge vollständig mit Zeitpunkt und Euro-Wert.

Ist der Einstieg in einen Liquidity Pool ein Tausch?

Das ist nicht ausdrücklich geregelt, und in der Praxis werden unterschiedliche Auffassungen vertreten. Halte Zeitpunkt, eingezahlte Token, erhaltene LP-Token und Euro-Werte fest. So kannst du die gewählte Einordnung nachvollziehbar belegen.

Wie werden Rewards aus Liquidity Mining besteuert?

Das BMF-Schreiben legt für Rewards aus Liquidity Pools keine bestimmte Einkunftsart fest. Erfasse jeden Reward mit Zeitpunkt, Menge und Euro-Wert beim Zufluss. Bei größeren Beträgen kann eine individuelle steuerliche Prüfung sinnvoll sein.

Was ist der Unterschied zwischen Liquidity Mining und Yield Farming?

Liquidity Mining ist das Bereitstellen von Kryptowerten in einem Liquiditätspool gegen eine Vergütung. Yield Farming ist eine breitere Strategie, die mehrere DeFi-Vorgänge wie Liquidity Mining, Lending und Swaps kombiniert. Steuerlich wird bei Yield Farming jeder Schritt einzeln betrachtet.

Wie dokumentiere ich DeFi-Transaktionen für das Finanzamt?

Halte für jeden Vorgang Zeitpunkt, Menge, Euro-Wert und Kursquelle fest, dazu die genutzte Wallet-Adresse und den Transaktions-Hash. Bei dezentralen Börsen gilt in der Regel eine erweiterte Mitwirkungspflicht, die Nachweise liegen also bei dir. Blockpit kann dir helfen, deine DeFi-Transaktionen für den Steuerbericht aufzubereiten.

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